Coronavirus
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Schweiz: Sorgen über hartnäckig hohe Zahlen

Die Schweiz hat einen zweiten Corona-Impfstoff zugelassen. Swissmedic erteilte – vorerst befristet – grünes Licht für den Wirkstoff des US-Herstellers Moderna. Trotz leicht sinkender Fallzahlen warnen die Gesundheitsbehörden vor einem erneuten Hochschnellen wegen der Virus-Varianten.

red/Agenturen

„Nach sorgfältiger Prüfung aller eingereichten Daten zur Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität in der Schweiz“ hat die Arzneimittelbehörde Swissmedic den auf einer mRNA-Plattform basierenden Wirkstoff von Moderna befristet zugelassen. Der Impfstoff wird teilweise in der Lonza in Visp hergestellt.

Die Zulassungsstudien hätten 14 Tage nach der zweiten Impfung eine hohe Wirksamkeit von 94 Prozent gezeigt. Die Befristung hängt mir den vorhandenen Daten zur Wirkungsdauer zusammen.

Damit erhöht sich der Aktionsradius bei der Bekämpfung der Pandemie in der Schweiz beträchtlich. Mit den per 18. Januar vorhandenen Impfdosen können rund vier Prozent der erwachsenen Personen geimpft werden, wie Nora Kronig, Vizedirektorin Abteilung Internationales, Bundesamt für Gesundheit (BAG), am Dienstag vor den Bundeshausmedien sagte.

Bis Ende Februar sollten alle über 75-Jährigen, die dies wünschen, gegen das Coronavirus geimpft werden können. Im Februar erwartet das BAG eine Million weitere Impfdosen von Moderna und Biontec. Mit Astrazeneca und Janssen-Cilag sind in der Schweiz noch zwei weitere Impfungen im Rennen um eine Zulassung.

Warnung vor Sorglosigkeit

Die Erfolgsmeldungen von der Impffront hinterlassen bei den Behörden aber auch ein Unbehagen, ist doch die Gefahr der Sorglosigkeit in der Bevölkerung nicht unbegründet. Unisono betonten sie deshalb am Dienstag, parallel zur Impfkampagne müssten alle anderen Massnahmen dringend aufrechterhalten und befolgt werden.

Die Fallzahlen seien nach wie vor zu hoch und durch die leichter übertragbaren Varianten drohe ein erneuter rascher Anstieg, erklärte Patrick Mathys, Leiter Sektion Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit im Bundesamt für Gesundheit (BAG), vor den Medien.

Das Gesundheitswesen sei nach wie vor stark belastet. Noch immer seien drei Viertel der Intensivpflegeplätze belegt, zu 41 Prozent von Covid-Patienten. Auch der Reproduktionswert von rund 1 ist laut Mathys zu hoch.

Britische Zustände verhindern

Der Chefbeamte redete zwar einer Verlängerung und Verschärfung der Massnahmen nicht direkt das Wort. Das sei Sache der Politik. Er liess aber keinen Zweifel daran, dass eher härtere als gelockerte Massnahmen im Raum stehen, um Szenarien wie in Grossbritannien und Irland in der Schweiz zu verhindern.

Der Bundesrat entscheidet am Mittwoch. Die knappe Mehrheit der Wirtschaftskommission des Nationalrats empfiehlt der Landesregierung, keine vorsorgliche Verschärfung zu beschliessen.

Mittlerweile sind laut Mathys in der Schweiz 127 Fälle von Mutationen bekannt. 86 betreffen demnach die Virusform aus Grossbritannien, 5 diejenige aus Südafrika. In 36 Fällen konnte die Mutation bisher nicht einem der beiden Formen zugeschrieben werden.

Auch wer aus Irland in die Schweiz einreist, muss aufgrund des mutierten Virus seit Dienstagmittag neu zehn Tage in Quarantäne. Der Bund hat die entsprechende Verordnung angepasst.

Dem BAG wurden am Dienstag innerhalb von 24 Stunden 2851 neue Coronavirus-Ansteckungen gemeldet. Gleichzeitig registrierte es 98 neue Todesfälle und 147 Spitaleinweisungen. Knapp 7800 Personen sind unterdessen an oder mit dem Coronavirus gestorben.

Wengen weiter im Fokus

In Wengen BE ist die Lage nach wie vor nicht restlos unter Kontrolle. Man sei intensiv daran, alles zu tun, um die Ansteckungen im Wintersportort zu verlangsamen, sagte die Berner Kantonsärztin Linda Nartey. Rund 70 Covid-19-Fälle waren am Dienstag bekannt.

Die neue Variante verbreite sich auch bei Einhaltung der Schutzkonzepte schnell. Eine Person aus Grossbritannien, die zu spät in Quarantäne gegangen sei, habe die neue Virusvariante nach Wengen gebracht, so Nartey. Der Kanton Bern will seine Testkapazitäten im Wintersportort erhöhen, um der Lage Herr zu werden.

Bald mehr Tests in Heimen und Schulen

Bald angepasst werden dürfte auch die Teststrategie des Bundes. Laut Mathys laufen derzeit entsprechende Gespräche mit den Kantonen. So könnte künftig in Alters- und Pflegeheimen, allenfalls auch in Schulen, flächendeckend, regelmässig und schnell getestet werden.

Die Bewältigung der Pandemie wird auch noch das Stimmvolk beschäftigen. Der Verein "Freunde der Verfassung"reichte am Dienstag das Referendum mit knapp 90'000 Unterschriften dagegen ein. Die Abstimmung könnte voraussichtlich erst im Juni 2021 stattfinden. Dann wäre das Gesetz bereits neun Monate in Kraft.

Seit Dienstag ist auch bekannt, dass der Tod eines Kleinkindes Ende 2020 in der Ostschweiz nicht hauptsächlich durch eine Corona-Infektion verursacht wurde. Das Kind starb laut den St. Galler Behörden an einer schweren bakteriellen Infektion der Atemwege.
 

 
© medinlive | 18.06.2021 | Link: https://app.medinlive.at/index.php/gesellschaft/schweiz-sorgen-ueber-hartnaeckig-hohe-zahlen