Coronakrise

Anschober zog Bilanz in Erwartung von „Risikophase“

Knapp ein Jahr nach den ersten bestätigten Covid-19-Fällen in Österreich zogen am Freitag Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Experten eine Bilanz. Als „Jahr, das wir nie vergessen werden“, bezeichnete Anschober das vergangene. Für die nächsten Wochen bis Ostern erwarte er noch eine „wirkliche Risikophase“ mit „leicht steigenden Zahlen“. Nicht zuletzt die Virus-Varianten übten „stärkeren Druck auf Tagesinfektionszahlen“ aus, hieß es bei einer Pressekonferenz.

red/Agenturen

In den vergangenen Tagen halte man u.a. aber mit 250.000 Tests pro Tag dagegen. Noch nicht eingerechnet seien hier die Tests an den Schulen. Dass die britischen und südafrikanischen Mutationen ein Problem werden, sei vor dem Jahreswechsel klar geworden. Erst kurz zuvor gelungen sei es gelungen, die hierzulande um den November aus dem Ruder gelaufenen Infektionszahlen mit erneuten Lockdowns auf ein „Plateau“ mit moderaten Neuansteckungen zu begrenzen. Die Mutationen hätten sich „massiv ausgedehnt“ und seien auf dem Weg zur „Dominanz“, betonte Anschober. Bei den Nachweisen sehe man weiter, dass der Osten stärker von der britischen Variante betroffen ist, und die Südafrika-Variante bekanntermaßen in Tirol kursiert.

Auch angesichts dieser Entwicklungen beobachte man nun „leichte Steigerungen, die noch nicht dramatisch“ seien, sagte der Gesundheitsminister. Die Bevölkerung müsse jetzt trotzdem „sehr, sehr konsequent sein“. Dass das funktionieren kann, zeige sich darin, dass die Umstellung auf die Verwendung der FFP2-Masken „perfekt gelebt“ würde. Ein Stück weit an den weiter höheren Zahlen schuld sei auch, das zuletzt stark intensivierte Testen. „Ein Teil des Anstieges ist erklärbar, weil genau hingesehen wird“, sagte Anschober.

Folgeerscheinungen im Fokus

Vor allem die größere Anzahl an geimpften Personen - diese Woche werde die Zahl von 500.000 Impfungen erreicht - „ist spielentscheidend“. Die Situation sollte sich um Ostern demnach vor allem bei den Risikogruppen entspannen. Wie es danach weiter gehe, werde in einer „klaren Strategie“ für den Umgang mit dem Virus festgelegt. Der Arbeitsprozess dazu sei im Laufen, so Anschober, der auch ankündigte, genauer auf Folgeerscheinungen, wie negative psychosoziale Auswirkungen zu achten und Perspektiven für Jugendliche schaffen, die unter der Krise besonders leiden.

Mit der Covid-19-Erkrankung direkt zu kämpfen hatte die Leiterin des Jüdischen Museums Wien, Danielle Spera. Das unerwünschte Mitbringsel von einer Dienstreise erwies sich schon im „relativ milden Verlauf“ als Herausforderung - die oft unterschätzten Langzeitfolgen inklusive. Speras Ehemann habe sich nach zehn Tagen Erkrankung sogar in Krankenhausbehandlung begeben müssen, wie sie erklärte. Covid-19 folge leider „keinem Muster“ und habe „das Leben von uns allen verändert“. Die Forschung arbeite zum Glück an Lösungen. Wie Impfungen die Situation verbessern können, zeige das „Vorbild Israel“, so Spera, die einen Appell zur möglichst baldigen Öffnung der Kulturbetriebe lancierte.