EVP-Chef Weber bringt Exportstopp für Biontech-Impfstoff ins Spiel

Der Vorsitzende der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, Manfred Weber, hat ein Exportverbot für Corona-Impfstoffe aus der EU ins Spiel gebracht. Die EU solle sich überlegen, ob das jetzt "als Option" richtig wäre, sagte Weber der "Passauer Neuen Presse" vom Samstag. Er verwies darauf, dass "bereits vor 15 Jahren" europäische Forschungsfördergelder an den deutschen Impfstoff-Hersteller Biontech geflossen seien: "Ohne Europa hätten wir heute keinen modernen Impfstoff."

red/Agenturen

Mit Blick auf Lieferschwierigkeiten des britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astrazeneca sagte Weber: "Wenn etwa Großbritannien untersagt, dass Vakzine von Astrazeneca zu uns kommen, dann habe ich meine Zweifel, dass die EU bei Knappheit Biontech-Impfstoff nach Großbritannien liefern muss."

Gleichzeitig räumte Weber ein, dass auf EU-Ebene bei der Impfstoffbeschaffung Fehler gemacht worden seien. "Natürlich passieren Fehler. Das gilt auf allen Ebenen", sagte der EVP-Vorsitzende, der auch stellvertretender CSU-Chef ist. "Der vielleicht größte Fehler war, dass zu klein gedacht wurde."

Weber sagte weiter: "Man hat sich zu stark auf die Produktions- und Lieferzusagen der Impfstoff-Hersteller verlassen." Aktuell würde ein Zehn-Milliarden-Programm in der EU zum Aufbau neuer Produktionsstandorte und Beschleunigung der Impfungen gebraucht: "Wir müssen uns auf die neuen Mutanten einstellen."

Eine der großen Lektionen aus der Krise sei es, "dass wir an einer Gesundheitsunion arbeiten müsse", betonte der CSU-Politiker. Es brauche", wo notwendig, gemeinsame Lösungen. Wir benötigen auch eine Art europäisches Robert-Koch-Institut, das die gemeinsamen Standards formuliert." Auch könne mehr in der Arzneimittelforschung erreicht werden. "Europa muss autarker werden", sagte Weber.