Corona-Impfstoff

Litauen: Russland betreibt Geopolitik mit Sputnik V

Litauens Regierungschefin Ingrida Simonyte hat sich grundsätzlich gegen eine Anwendung des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V in dem baltischen EU-Land ausgesprochen. Gleichzeitig warf Simonyte Russland vor, mit Sputnik V Geopolitik zu betreiben. „Die Bemühungen, den Impfstoff europäischen Ländern und anderen Staaten anzubieten, wenn die Menschen in Russland selbst noch nicht alle geimpft sind, scheinen ein weiteres geopolitisches Spiel zu sein“, sagte sie am Dienstag.

red/Agenturen

Daran habe sie auch keine Zweifel, so die litauische Regierungschefin im litauischen Rundfunk. Sie hatte Sputnik V zuvor bereits auf Twitter als „eine weitere Hybridwaffe zum Teilen und Herrschen“ bezeichnet. Dies wurde von der russischen Botschaft in Vilnius scharf kritisiert.

Der Kauf von in Russland hergestellten Impfstoffen müsse nicht in Betracht gezogen werden, betonte Simonyte. Die Impfung der drei Millionen Einwohner Litauens werde durch die gemeinsame Impfstoffbeschaffung mit anderen EU-Ländern sichergestellt. Das litauische Impfstoff-Portfolio bestehe aus mehreren Präparaten von westlichen Herstellern, die bereits zugelassen sind oder vor einer Zulassung stehen.

Russland strebt eine Zulassung seines selbst entwickelten Impfstoffs Sputnik V in der EU an, dessen Wirksamkeit gegen den Erreger SARS-CoV-2 mit mehr als 91 Prozent angegeben wird. Dass einige EU-Länder bereits beschlossen haben, das bisher nicht von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA zugelassene Vakzin zu verwenden, sei „bedauerlich“, so Simonyte. Als erster EU-Staat hatte Ungarn eine Notfallzulassung für das Präparat erteilt.

In Litauen wurden nach offiziellen Daten bisher fast 80.000 Menschen geimpft, davon haben gut 60 Prozent bereits beide Injektionen erhalten. Verabreicht werden die Präparate von BioNtech-Pfizer und Moderna. Der Baltenstaat hatte zudem am Sonntag die erste Lieferung des Impfstoffs von AstraZeneca erhalten.
 

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