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Hungersnot

UNO bittet um vier Milliarden Euro für Afghanistan

Die Vereinten Nationen streben bei einer virtuellen Geberkonferenz für Afghanistan ungeachtet der Kritik an den regierenden radikalislamischen Taliban eine Rekordsumme an. UN-Generalsekretär Antonio Guterres beziffert den Bedarf auf rund vier Milliarden Euro. Die Wirtschaft in Afghanistan sei effektiv zusammengebrochen, neun Millionen Menschen seien vom Hungertod bedroht, die Lage „alarmierend“, sagte Guterres zum Auftakt einer virtuellen internationalen Geberkonferenz.

red/Agenturen

Deutschland stellt Afghanistan nach den Worten von Außenministerin Annalena Baerbock weitere 200 Millionen Euro zur Verfügung. Baerbock verwies auf eine schwere Dürre in Afghanistan. Die Wirtschaft sei nach der Machtübernahme der Taliban ohnehin schwer getroffen, und die Coronavirus-Pandemie belaste zusätzlich. „Deshalb muss die internationale Gemeinschaft ihre humanitäre Unterstützung für Afghanistan verstärken.“

„Die Afghanen brauchen unsere Hilfe, um ihre Wirtschaft anzukurbeln, ihre Landwirtschaft aufrechtzuerhalten und Grundlagen der sozialen Sicherung zu halten“, so UNO-Vize Martin Griffiths auf der von Deutschland, Großbritannien und Katar für Donnerstag organisierten Konferenz.

Griffiths ist als Untergeneralsekretär bei den Vereinten Nationen für humanitäre Angelegenheiten und als Nothilfekoordinator tätig. Die Summe von vier Milliarden Euro wäre die größte von den Vereinten Nationen gezahlte Einmalsumme für humanitäre Angelegenheiten. Davon sind nach UNO-Angaben bisher aber erst 13 Prozent zugesagt. Großbritannien hat angekündigt, umgerechnet rund 335 Millionen Euro zu geben. Das Geld soll direkt an Hilfsorganisationen gehen und nicht an die Taliban, die nach dem Abzug der US-geführten internationalen Truppen im August 2021 das Land wieder übernommen haben. Rund 23 Millionen Menschen in Afghanistan sind von einer Hungersnot bedroht, das Land durchlebt derzeit die schwerste Dürre seit 30 Jahren.

Taliban brechen Versprechen

Obwohl die Taliban nach ihrer Machtübernahme versprochen haben, Grundrechte zu achten, werden vor allem die Rechte von Frauen wieder stark eingeschränkt. Erst vergangene Woche hatten die Taliban ihre frühere Zusage zur Öffnung von Gymnasien für Mädchen zurückgenommen. Zudem ist es Frauen verboten, ohne männliche Begleitung zu fliegen. Weiters beschlossen die Taliban, den Besuch von Parks nach Geschlechtern zu trennen. Der Zutritt ist künftig Frauen nur noch an drei Tagen in der Woche und Männer an den übrigen vier Tagen einschließlich des Wochenendes erlaubt. Damit können selbst Ehepaare und Familien nicht gemeinsam Parks besuchen. Behördenmitarbeiter wurden außerdem angewiesen, einen Bart und traditionelle Kleidung zu tragen.

Die USA haben Gespräche mit den Taliban in Katar deshalb auf Eis gelegt. Auch Griffiths betonte: „Wir wollen, dass diese Verbote, diese Einschränkungen zurückgenommen werden.“ Er hoffe aber, dass die Geberkonferenz von den politischen Entwicklungen in Afghanistan nicht beeinträchtigt werde. Er forderte die Staatengemeinschaft auf, mit den Taliban zusammenzuarbeiten. In seinen Gesprächen mit den Verantwortlichen in Kabul habe er den Eindruck gewonnen, sie wollten „einen konstruktiven Weg nach vorne“ mit der internationalen Gemeinschaft einschlagen. Eine Isolation Afghanistans würde das Leid der Menschen zudem nur noch verschlimmern.

Deutschland hilft Afghanistan mit 200 Millionen Euro

Deutschland etwa stellt Afghanistan trotz zunehmender Spannungen mit den regierenden radikalislamischen Taliban zusätzliche 200 Millionen Euro an humanitärer Hilfe zur Verfügung. Das kündigte Außenministerin Annalena Baerbock zum Auftakt einer virtuellen Afghanistan-Geberkonferenz am Donnerstag in Berlin an. Derzeit seien 23 Millionen Menschen in dem Land von einer Hungersnot bedroht, sagte Baerbock mit Verweis auf eine anhaltend schwere Dürre. Die Wirtschaft sei nach der Machtübernahme der Taliban schwer getroffen, und die Coronavirus-Pandemie belaste zusätzlich. „Deshalb muss die internationale Gemeinschaft ihre humanitäre Unterstützung für Afghanistan verstärken.“

Baerbock betonte aber: „Die Taliban müssen Akteuren der humanitären Hilfe ungehinderten Zugang verschaffen und ihre Sicherheit gewährleisten, und sie dürfen die humanitäre Hilfe nicht einschränken.“ Über die humanitäre Hilfe hinaus werde das weitere Engagements Deutschlands in Afghanistan vom Handeln der Taliban abhängen. „Wir werden sie an diesen Taten messen, nicht an ihren Worten“, sagte die Grünen-Politikerin.

Insbesondere sprach Baerbock dabei den Umgang mit Frauen an. „Die Fortschritte, die die Frauen und Mädchen Afghanistans in den letzten zwei Jahrzehnten errungen haben, dürfen nicht einfach fortgespült werden wie Eis, das in der Sonne dahinschmilzt“, sagte sie. „Sie sollten unerschütterlich sein. Das ist unser eindringlicher Appell an die Taliban.“